Zweimal TAK!! von M.Kerl

Ein glanzvolles Ereignis bereicherte Kolbergs Kulturleben. Vom 26. bis 30. September bildete die Stadt, in der das nördliche Europa Urlaub macht, die Kulisse der 1.Internationalen Theater-Musik-Tage Kolberg in Polen. (www.TAK.international)

Torsten Münchow, der bekannte deutsche Schauspieler, hat als Initiator und Leiter der Festspiele bewußt diese Stadt gewählt, um ein internationales Publikum zu erreichen. Sein Wunsch ging in Erfüllung! An vier Tagen begab sich eine interessierte Menschenmenge, zusammengesetzt aus vielen Nationalitäten, in das gelungen moderne Ambiente des RCK und Gastgeber Tadeusz Kielar, der Direktor des Hauses, freute sich über den großen Zuspruch. Kein Wunder, denn für das Programm konnten allen voran Wiltrud Weber als Artist in Residence, ihr Ensemble Longum Mare, Ricardo Marinello, die Berliner Klezmerband KlezFez und die Entire Theatre Company London gewonnen werden. Beeindruckend, dass alle Künstler ohne Gage auftraten! Es war ein Benefizkonzert für den Frieden!

Unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Janusz Gromek sowie der Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, gelang das Festival zu einem großen Erfolg.

September, 19:30 Uhr, Premierenabend. "Die stärksten Brücken werden aus Steinen gefallener Mauern gebaut.“ Torsten Münchow krönte mit seinem Lebensmotto seine Begrüssungsrede und erhielt stürmischen Applaus. Viel Arbeit und Organisation lagen hinter ihm, glücklich stand er nun auf der Bühne vor ausverkauftem Haus und das Premierenpublikum, darunter viele polnische und deutsche Ehrengäste, erwartete ein hochkarätiges Programm. Seine Message war angekommen, denn auch die folgenden Festredner griffen das Thema auf. Generalkonsulin Cornelia Pieper aus Danzig und Karolina Szarłata-Woźniak, Ratsmitglied von Kolberg, betonten die Wichtigkeit des Brückenbauens zwischen den Menschen und Nationen über die reichen Mittel der Kultur. Gerade rechtzeitig zum 25-jährigen Jubiläum des deutsch polnischen Nachbarschaftsvertrages setzte die Veranstaltung ein wunderbares Zeichen.

Wer konnte das Festival besser eröffnen als die in Deutschland und Polen gleichermassen beliebte Sängerin Wiltrud Weber und ihr Ensemble Longum Mare, das sich aus Künstlern der Philharmonie Koszalin zusammensetzt! Sie lebt mit ihren polnischen Musikerfreunden vor, was es bedeutet, Grenzen zu überwinden und Menschen zu verbinden, und hatte, passend zum Motto der Veranstaltung, eine musikalische Reise durch Europa vorbereitet. Schon nach den ersten Klängen der Musik sprang der Funke über, die Gäste folgten begeistert dem vielsprachigen Repertoire der Künstlerin, die mit ihrer zuversichtlichen Ausstrahlung ihr Publikum auf Anhieb eroberte. Wunderbar, die Harmonie ihrer brillianten Stimme mit dem warmen Klang des Streichorchesters. Als Zugabe holte die Künstlerin ihren Sängerkollegen Ricardo Marinello zu sich auf die Bühne, um mit ihm zwei hinreissende Duette ("Voglio Vivere Cosi" und "Non ti scordar di me") zu singen, welche alle Herzen bewegten. Bravorufe und stürmischer Applaus folgten, der Abend ein voller Erfolg!

Die Stimmung des ersten Festivaltages hatte sich schnell herumgesprochen, denn auch am 27. September konnte Torsten Münchow vor ausverkauftem Haus den Künstler des Abends ansagen. Ricardo Marinello, den er als einen der wenigen Ausnahmetenöre vorstellte, liess Musikliebhaber aufhorchen. Der Gewinner von "Das Supertalent 2007" hat sich zu einem charismatischen Sänger entwickelt, der an diesem Abend das Publikum mit bekannten Titeln aus der Filmmusik in mehreren Sprachen um die Welt führte. Am meisten begeisterte der gebürtige Sizilianer natürlich, als er in seiner Heimatsprache sang. Der Bilderbuchtenor, von ähnlichem Format wie sein berühmter Kollege Pavarotti, überzeugte mit einer raumgreifenden Bühnenpräsenz. Mit dem Wolgalied von Franz Lehar sang er sich in die Herzen des Publikums.

Als Höhepunkt des  Festspieles kann man den 29. September mit Wiltrud Weber und Ihrer Berliner Band KlezFez betrachten. Das Publikum war hingerissen vom unbändigen Temperament und der Virtuosität der Sängerin und ihrer Musiker.  Besonders ergreifend Wiltrud Webers Interpretation des Hebräischen Antikriegslieds "Shir la Shalom", welches Sie mit einer flammenden Rede für den Frieden einleitete. Adam Vogelsinger, sonst bei den Koszaliner Philharmonikern, brillierte auf seiner Geige, als hätte er nie etwas anderes gespielt als Klezmermusik. Einen unterhaltsamen und fulminanten Abschluss des Abends boten dann Torsten Münchow selbst, der mit seiner faszinierend sonoren Stimme "Summertime" anstimmte und seine Überraschungsgäste Jaroslaw Barow, Intendant des Muza-Theaters Koszalin, welcher seinen begabten Sohn Pawel Barow (Voice of Poland) im spontanen Zusammenspiel mit den Musikern der KlezFez Band am Klavier begleitete. Bravos und Standing Ovations für einen vor Musikalität sprühenden Konzertabend!  

Die Vorstellung des Londoner Off Theaters am Freitag, den 30. September schließlich wurde auf 11 Uhr morgens verlegt, um auch die Jugend Kolbergs am Kulturgenuss teilhaben zu lassen. 300 Schüler aller Altersklassen standen ausnahmsweise am Vormittag nicht im Schulhof, sondern in der Schlange vor dem RCK. Die Schüler, bei denen Englischkenntnisse Voraussetzung waren, folgten hochmotiviert der Einführungsrede des Regisseurs Anthony Shrubsall, der zunächst das Werk in groben Zügen erklärte, um den Schülern den Einstieg in das anspruchsvolle Stück des Autors Wally Sewell zu erleichtern. „Orbits“, ein Dialog zwischen Bertold Brecht und Charles Laughton, brilliant in Szene gesetzt von den Schauspielern Edmund Dehn und Peter Saracen.  Mit dem einsetzenden Applaus sprang Torsten Münchow auf die Bühne und feierte mit seinen Kollegen ausgelassen den Erfolg. Für ihn hat das Festival eine ganz besondere Bedeutung, denn er ist der erste Deutsche in Polen, der ein solches Projekt auf die Beine stellt. Als er vor zwei Jahren nach Koszalin zog, ist er zu den Wurzeln seiner Familie zurückgekehrt und hat hier seine Heimat gefunden. Sein Programm steht für ein Europa ohne Grenzen, und so sieht er auch sein neu gegründetes Theaterprojekt TAK. Es heißt nicht nur „ „Teatr Asamblaz Kołobrzeg “, sondern auch „Ja“. Ja zum Frieden, ja zum Brückenbauen. Der Schauspieler und Regisseur weiß, was an den zurückliegenden Abenden so selbstverständlich wirkte, war lange keine Selbstverständlichkeit. Dass Polen und Deutsche gemeinsam Musik machen, Kultur austauschen und zusammen feiern, ist das Verdienst von vielen Brückenbauern, und er ist einer von ihnen. Bravo, TAK und weiter so!

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