Torsten Münchow gelingt mit seiner Inszenierung von Max Frischs grotesker Komödie "Biedermann und die Brandstifter" ein beachtlicher Erfolg am polnischen Theater in Słupsk (ehem. Stolp) in Pommern. Lang anhaltender Applaus, stehende Ovationen und Bravo-Rufe belohnten das Polnische Ensemble und das deutsche Regie-Team.

Als erster deutscher Regisseur nach dem 2.WK hat Münchow in der Heimat seiner väterlichen Vorfahren in Pommern im heutigen Polen eine weitere "Brücke" der Versöhnung zwischen beiden Staaten gebaut. Die Schirmherrin Generalkonsulin Cornelia Pieper, Schirmherr President Miasta Robert Biedroǹ, die Presse und das polnische Publikum (es waren auch ca. 20 Deutsche Gäste da) waren begeistert von der neuen Produktion am Nowy Teatr im. Witkacego w Słupsku Lass das Böse nicht in dein eigenes Haus! (Kritik:D.Klusek)   Das neueste Stück des Nowy Teatr ist eine Warnung vor der Naivität, die verhindern kann, dass man das aufkommende Böse übersieht.    Nach "Dwojgu biednych Rumunach mówiących po polsku" (Zwei arme Rumänen, die polnisch sprechen) und der früheren "Bóg mordu" (Gottgemetzel) und "Ulica" (Strasse) - hat das Nowy Teatr in Słupsk eine weitere Premiere vorbereitet, in der schwierige, wichtige und immer noch, vielleicht zunehmend aktuelle Themen aufgegriffen werden. Themen, die zeigen, allgemein gesprochen, wie der Mensch sich selbst gefährlich werden kann. Das Stück "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch, das die Zuschauer an diesem Wochenende gesehen haben, ist eine bittere Komödie, die im letzten Jahrhundert geschrieben wurde. Großartig in Szene gesetzt von dem deutschen Regisseur Torsten Münchow, dessen Vater und Großvater in Koszalin und Umgebung geboren wurden und lebten.   Das gut situierte Ehepaar Biedermann lebt in Ruhe und Frieden. Ihr Glück wird jedoch durch das Bewusstsein getrübt, dass in der Gegend eine Bande von Brandstiftern grassiert. Solange das Böse nicht in ihrem eigenen Haus ist, sind sie der Meinung, dass sie sich keine überaus großen Sorgen machen müssen. Ohne die kommende Katastrophe zu verdächtigen, lässt Herr Biedermann den obdachlosen Rumtreiber, einen ehemaligen Ringer, in sein Haus.  Noch ahnt er nicht, welch hohen Preis er dafür bezahlen wird. Als in Willi der Kopf der unheilvollen Operation auftaucht, scheint das Los/Schicksal der Biedermanns entschieden zu sein. Im Hause der ruhigen und freundlichen Leute taucht das Böse auf und beschneidet sie nach und nach in ihrer Freiheit und in ihren Rechten. Nimmt Stück für Stück Raum ein. Mit einem Lächeln im Gesicht und der Kenntnis der Sozialtechnik. Manipuliert und vernichtet. Bis zur letzten Vernichtung/Niederlage.    Wenn man die neueste Premiere des Nowy Teatr sieht, hat man als Zuschauer fast von Anfang an das Gefühl, dass ein Unglück geschehen wird. Dieses Gefühl verstärkt die grossartige Musik von Tom Leonhardt. "Biedermann und die Brandstifter" ist ein ungewöhnlich tolles Stück für Schauspieler mit grossartigen Rollen. Den größten Applaus hat der äusserst unterhaltsame/lustige Dominik Nowak (Intendant) bekommen, der einen ehemaligen Ringer spielt, einen Menschen für nasse Arbeiten und einen ungehobelten Kopf. Gesteuert wird er von dem geschickten/listigen Manipulator, gespielt von Igor Chmielnik. Er nutzt die Güte und Naivität der Biedermanns aus (gespielt von Jerzy Karnicki i Bożena Borek). Und das Gefühl der Unabänderlichkeit dessen, wozu die Naivität führen kann, verstärken nur die bedrohlichen Kommentare des Erzählers, Krzysztof Kluzik. Diese Figur bewirkt, dass das Stück etwas unwirklich, beinahe metaphysisch wird. Und nur das Böse bleibt real. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als das Stück von Max Frisch zuerst als Radiohörspiel realisiert und später auf die Theaterbühne gebracht wurde, galt es als Warnung vor dem Konformismus und zeigte die Quellen des Faschismus auf. Der Vorteil/Wert dieser Position ist jedoch die Zeitlosigkeit und Aktualität hier und jetzt. Es lohnt sich dieses Stück zu sehen, nicht nur wegen der Leistungen der Schauspieler, sondern genauso, um das aufkommende Böse zu erkennen und zu erfahren, wie es von unserem Heim/Haus Besitz ergreifen kann.  Übersetzung: Slawa Lisiecka Regie: Torsten Münchow Assistent des Regissuers: Julita Witt Bühnenbild: Tobias Nachtrodt Musik: Tom Leonhardt Besetzung: Bożena Borek, Igor Chmielnik, Monika Janik, Jerzy Karnicki, Krzysztof Kluzik, Dominik Nowak.   Photos by autor: Piotr Stępień SensitiveStudio and E. Utsch

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